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Zwiegespräch II – Gastbeiträge und Erklärungsversuche

7. Mai 2009 | Autor: Moderator | Keine Kommentare Artikel drucken

Nordlohne: Herr Gostomzyk, wie sind Sie denn mit unserem Blog zufrieden? Ohne Ihre Antwort beeinflussen zu wollen: Ich finde, es läuft ganz prächtig.

Gostomzyk: Ja, auch ich bin zufrieden: Die Zahl der Leser nimmt stetig zu. Besonders freue ich mich über die Gastbeiträge von ausgewiesenen Autoren!

Nordlohne: Das stimmt, die Gastbeiträge sind eine Bereichung. Aus meiner Sicht könnten die Themen aber noch etwas emotionaler und plakativer werden.

Gostomzyk: Herr Nordlohne, man merkt, dass Sie aus dem journalistischen Lager stammen und nicht aus dem juristischen.

Nordlohne: Wie bitte?

Gostomzyk: Die Auswahl Ihrer Beiträge und Ihre Wortwahl sind doch bereits emotional-plakativ. Und – erlauben Sie mir den Einwurf – nicht alle Juristen begeistern sich dafür.

Nordlohne: Nun, das Blog soll ja auch keine digitale Version von Anwaltsschriftsätzen sein. Ich glaube, es lebt gerade von der gesunden Mischung detaillierter juristischer Einschätzung von Sachverhalten und ihrer Wahrnehmung durch die außerjuristische Welt.

Gostomzyk: Für uns Juristen ist eine präzise Sprache aber essentiell. Ein Beispiel: In der Kurzmeldung über Herrn Tauss schreiben Sie, dass seine „Erklärungsversuche“ lesenswert sind. Das Wort „Erklärungsversuche“ ist aber bereits wertend. Besser, weil neutraler, wäre aus meiner Sicht von „Erklärungen“ des Herrn Tauss zu sprechen.

Nordlohne: Halbrichtig! Es soll wertend sein! Ich habe mir das Redemanuskript von Herrn Tauss mit den Augen eines Journalisten angesehen und kann seinen Vortrag nur als „Erklärungsversuch“ bezeichnen. Er hat m.E. nämlich nichts erklären können. Stattdessen suhlt er sich teils in Selbstmitleid, teils beschwert sich über die Staatsanwaltschaft. Als Journalist, der gelernt hat, öffentliche Wahrnehmung zu verstehen und zu bedienen, sage ich: Das kommt nicht gut an.

Gostomzyk: Als Jurist sage ich: Sie haben Recht. Erklärungsmuster wie sich „zu wissenschaftlichen Zwecken“ oder hier zu „Recherchezwecken“ die dunklen Seiten der Gesellschaft anzusehen, überzeugen nicht. Übrigens ein Lesetipp dazu: „Professor Unrat“ von Heinrich Mann. Da lässt sich vieles über Recherchen zu wissenschaftlichen Zwecken nachlesen. Gleichwohl beharre ich auf sprachlicher Genauigkeit.

Nordlohne: Auch ich bin ein Mann des Wortes – aber ich gestehe, dass es mir durchaus Freude bereitet, mit kleinen Nuancen in der Wortwahl großen Einfluss auf die Wahrnehmung zu erzielen. Journalistenkrankheit :-)   Aber das Interesse an unser beider Beiträge zeigt eines ganz deutlich: Es ist gerade dieser Rundumblick, den man an uns schätzt. Wenn wir dazu beitragen, eine Sensibilität für das Zusammenspiel von Rechtsprechung und Kommunikation zu schaffen, dann bin ich sehr zufrieden.

Gostomzyk: Da stimmen wir überein: Unser Ansatz ist es, die Expertise aus dem juristischen und journalistischen Lager zusammenzubringen.

Nordlohne: Herr Gostomzyk, wir sind auf einem guten Weg. Gehen wir doch weiter in der Frühlingsluft spazieren.

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