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Ein Fall für Litigation-PR – Die Finanzindustrie zeigt: Prozesse sind relevante Reputationsrisiken

Gastbeitrag von Daniel Konrad

Juristische Auseinandersetzungen zählen zu den stärksten Reputationsrisiken. Sensitive Industrien wie beispielsweise  Pharma, Food und  Banking sind davon besonders betroffen. Häufig beginnt der Reputationsschaden nicht erst mit dem ersten Verhandlungstag. Immer öfter klopft die Staatsanwaltschaft beispielsweise bei Finanzdienstleistern mit Durchsuchungsbefehl an die Tür. Die Medien erfahren von der Maßnahme – auf verschiedensten Informationswegen bis hinzu sogenannten Durchstoßgeschichten – und orakeln über die Gründe der Maßnahme. Schnell nimmt ein solches Thema in den Medien Fahrt auf. Litigation-PR kann als prozessbegleitende Kommunikation den Klienten unterstützen und seine Geschichte – koordiniert mit der anwaltlichen Strategie – in die Medien tragen – oder auch aus ihnen heraushalten. Ein Klient muss auch und gerade während eines Prozesses im „Gerichtsaal der Öffentlichkeit“ sprachfähig und präsent sein. Eine unvollständige, falsche oder in anderer Weise tendenziöse Berichterstattung schädigt die Reputation.

Für Banken, die in Prozesse verwickelt sind, kann dies absehbar nicht nur zur Bedrohung für die empfindliche Reputation sondern auch für die Bilanz werden. Führende internationale Banken bilden daher Rückstellungen in Millionenhöhe: die UBS gab Rückstellungen für Prozesse in Höhe von 700 Mio. Euro bekannt. Die Deutsche Bank taxiert ihre Rückstellungen auf 620 Mio. Euro und halbierte damit ihren letzten Quartalsgewinn. Diese Einzelbeispiele spiegeln einen eindeutigen Trend wider: Mehr als die Hälfte der amerikanischen Unternehmen haben nach Aussage des Beratungsunternehmens Alix Partners ihre Ausgaben für Litigation [1] erhöht. Hinter den abstrakten Zahlen verbergen sich, wie im Fall Deutsche Bank gegen Leo Kirch, oftmals jahrelange rechtliche Auseinandersetzungen [2], die in der Öffentlichkeit oft schwere Reputationsschäden hinterlassen.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie des Versicherungs- und Rückversicherungsunternehmens ACE-Group [3] . 29 Prozent der befragten Unternehmen schätzen Litigation als eines der größten Reputationsrisiken, die Einfluss auf den Geschäftserfolg haben. Die befragten Unternehmen stammen aus Deutschland, Benelux, Großbritannien, Schweiz, Frankreich, Italien und Spanien. Damit liegt Litigation auf der Liste der Risiko-Faktoren zwar hinter Umsatzrückgängen und negativer Medienberichterstattung aber vor negativer Markenwahrnehmung und dem Verlust von Arbeitnehmern. Der Wert für Litigation mit 29 Prozent beachtlich hoch – vergleicht man ihn mit der Häufigkeit von juristischen Auseinandersetzungen in Unternehmen.

Die Zahl der Klagen und damit der Bedarf von Litigation-PR wird noch steigen, wenn aktuelle Pläne der Europäischen Kommission umgesetzt werden.  Ein Phänomen, das man früher vor allem aus den USA kannte, ist heute auch in Europa nichts Außergewöhnliches mehr. Inzwischen haben 18 von 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union ein sogenanntes kollektives Rechtsschutzsystem [4] eingeführt. Allein seit 2008 sind fünf Länder dem System beigetreten. Europäische Unternehmen beobachten die Entwicklung mit Sorge: Mit der Schaffung einer rechtlichen Grundlage für Sammelklagen in ganz Europa könnte auch die in den USA herrschende Klagefreudigkeit und die großen Entschädigungszahlungen Einzug halten.

Für ein Unternehmen, das in einen Rechtsstreit verwickelt ist, gibt es eine Reihe von Frühindikatoren [5], um die öffentliche Relevanz und damit auch die Notwendigkeit für Litigation-PR einzuschätzen. Diese Litigation-PR-Fälle sind sehr individuell und müssen daher mit einer integrierten kommunikativen Strategie begleitet werden. Ziel ist, dass Banken und andere Unternehmen nicht nur den Prozess gewinnen, sondern am Ende auch im „Gerichtssaal der Öffentlichkeit“ reüssieren.

Daniel Konrad ist Berater bei FleishmanHillard. Im Bereich Corporate Affairs betreut er nationale und internationale Kunden. Zu seinen Schwerpunkten zählt Litigation-PR sowie Fragen rund um das Thema Compliance.