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Fünf Fragen an Dr. Joachim Jahn, Wirtschaftsredakteur der FAZ

11. Mai 2009 | Autor: Gastblogger | Keine Kommentare Artikel drucken

Dr. Joachim Jahn1. Frage: Wie erreicht ein Anwalt am ehesten eine positive (Medien-)Aufmerksamkeit in Strafverfahren für seinen Mandanten?

Jahn: Durch sachliches, unermüdliches Herausarbeiten der eigenen Argumente gegenüber den Journalisten. Nur so lässt sich der Tendenz vieler Medien zur Skandalisierung und Personalisierung, zum Aufbauschen und Versimpeln ein bisschen was entgegen setzen. Der größte Erfolg ist natürlich (aus meiner Sicht: leider), wenn ein Strafverfahren gar nicht erst bekannt wird. Für Schadensersatzklagen kann das ebenfalls gelten.

2. Frage: Was sollte er auf keinen Fall versuchen?

Jahn: Den Medien auch noch verbieten lassen zu wollen, dass sie über das Vorgehen des Presseanwalts gegen sie berichten.

3. Frage: Wer kommuniziert besser: Rechtsanwalt oder Staatsanwalt?

Jahn: Definitiv: der Anwalt. Immer noch, auch wenn die Justiz endlich nachgerüstet hat. Aber der Fall des karrieregeilen Strafverfolgers, den es in die Medien drängt, ist eher die Ausnahme – schon angesichts seiner ziemlich engen juristischen Fesseln. Anwälte haben dagegen meist ein ausgeprägtes Interesse an Publizität: zum Wohle ihres Mandanten und auch zu ihrem eigenen. Ich habe schon mal Informationen von einem Strafverteidiger bekommen, von denen hinterher alle überzeugt waren, da müssten die „bösen Strafverfolger“ geplaudert haben.

4. Frage: Lassen sich Richter von einer Medienberichterstattung in ihrer Entscheidungsfindung beeinflussen?

Jahn: Bei der Schuldfrage wohl kaum. Bei der Höhe des Strafmaßes vielleicht schon. Vor allem aber die Staatsanwaltschaft bei der Entscheidung, ob Ermittlungen aufgenommen, eingestellt oder voran getrieben werden. Angesichts derer Anbindung an den jeweiligen Justizminister kann das niemand ernsthaft bestreiten.

5. Frage: In welchem konkreten Fall hätten Sie dazu geraten, Litigation-PR-Experten einzusetzen?

Jahn: Ich kenne keinen Fall, wo heutzutage nicht eher zu viele als zu wenige Spin-Doktoren eingesetzt werden. Und von denen haben längst nicht alle ein glückliches Händchen.

Über Dr. Joachim Jahn

Nach dem Ersten Juristischen Staatsexamen absolvierte Joachim Jahn ein Volontariat bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. 1998 promovierte er zum Dr. jur. und wechselte im gleichen Jahr als Redakteur zum Handelsblatt. Seit 1999 kommentiert er als Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung das aktuelle Rechtsgeschehen und verantwortet zugleich die Seite „Recht und Steuern“ und den Blog „Das letzte Wort“. Joachim Jahn ist Autor zahlreicher Gastbeiträge in Fachzeitschriften und Lehrbeauftragter der juristischen Fakultät der Universität Mannheim.

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