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Ooooops, they do it again: Jack Wolfskin und die unendliche Tatzengeschichte

25. März 2013 | Autor: Jens Nordlohne | Keine Kommentare Artikel drucken

Dass so manche Pfotenkreatur seine Tatzen nutzt, um Beutekonkurrenten aufs Maul zu hauen, kennen wir aus der Welt der wilden Tiere. Aber auch in der Welt der Wirtschaft gibt es dieses Phänomen. Ein Unternehmen, dass bei dem Verdacht auf „Tatzenimitation“ regelmäßig seine Krallen ausfährt, um vermeintliche – oder tatsächliche – Markenrechtsverletzer einzuschüchtern, ist der Outdoor-Ausrüster „Jack Wolfskin“. Schon 2009 hatte das Unternehmen Hobby-Schneiderinnen abgemahnt ( 991 EUR inkl. Anwaltsgebühr), die auf der Internetplattform Dawanda selbstgenähte Pullover und Jacken feilboten. Sie hatten tatzenähnliche Applikationen auf ihren Textilien angebracht – ein NoGo für die Outdoor-Firma. Auf die juristische Aktion der Jack Wolfskin-Anwälte folgte allerdings eine wütende Reaktion der Öffentlichkeit. Es hagelte Boykottaufrufe, Schmähkritik und Kündigungen von Lieferverträgen. Der Werbeblogger fragte seinerzeit: „Lernen Anwälte und PR-Menschen eigentlich nichts aus den Vorgängen der Vergangenheit? Wiedermal sind Abmahnanwälte im Namen einer Marke unterwegs, um ihr den Garaus zu machen. Wiedermal riskiert man wegen fragwürdiger Markenschutzbemühungen einen PR-Gau und das Image einer wertvollen Marke.“

Aktuell betrachtet scheinen die Anwälte und Unternehmensverantwortlichen von Jack Wolfskin in der Tat nicht viel aus dem Shitstorm 2009 gelernt zu haben – oder es ist ihnen schlichtweg egal. Sie streiten erneut um uneingeschränkte Tatzenhoheit. Schon wieder haben sie sich einen Sympathieträger als Gegner gesucht und schon wieder landet der Ausrüster in der öffentlichen Diskussion. Jack Wolfskin geht gerichtlich gegen eine Produktionsfirma vor, die Enid Blytons „Fünf Freunde“ in die Kinos bringt. Das Medienportal Meedia berichtet: „Die Jugendbuchmarke von Enid Blyton war Anfang 2012 als Neuverfilmung in die Kinos gekommen, ein zweiter Teil startete Ende Januar 2013. Schon 2010 hatte die Produktionsfirma SamFilm ein für die Filme entwickeltes „Fünf Freunde“-Logo als Marke angemeldet. Das wie eine Tatze aussehende Logo besteht dabei aus vier Fingerabdrücken der menschlichen Freunde, sowie dem Abdruck des Pfotenballens von Hund Timmy – es symbolisiert also die fünf Freunde.“

Das Reputationsrisiko, das durch die Abmahnung von Hobbyschneiderinnen – und jetzt durch das gerichtliche Vorgehen gegen die Macher eines Jugendfilms – entsteht, scheint die Geschäftsführung von Jack Wolfskin als gering zu bewerten. Selbst eine kommunikative Begleitung ihrer juristischen Schritte ist offensichtlich nicht vorgesehen – sowohl auf der eigenen Homepage als auch auf der facebook-Seite spielt das Thema (noch) keine Rolle. Vielleicht ändert sich das ja, wenn Kommentare wie der von „taz kenner“ auf meedia zunehmen. Er schreibt: „Es ist zu dem Unternehmen alles gesagt. Lächerlich, humorlos und hoffentlich bald pleite.“
(Fotomontage: meedia)

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